Passionen


πασχειν (paschein): griechisch für
leiden, durchstehen, erleben

25. bis 30. März 2020


Können Gedichte, Bilder oder Musik trösten? Kann das Theater mit seiner Idee der Katharsis durch symbolisches Darstellen von Trauer, Schmerz, Bedrängnis und Folter diese beherrschbar machen? Hilft kollektives Erleben? Muss man Leid erfahren haben um es nachfühlen zu können? Müssen menschliche Katastrophen die zivilisierte Welt nicht verändern? Ist geteiltes Leid halbes Leid, oder helfen Geld, Gebete oder Bachs Passionen aus dem dunklen Tal?
    Zeit seines Lebens ist der Mensch von Leid umgeben, vom ersten Geburtsschrei bis zum Tod – eigenes, fremdes, bereits erlebtes oder noch befürchtetes, durch Krieg, Flucht und Terror, durch Krankheit und Einsamkeit, in Beziehungen durch den Nächsten oder dem Nächsten zugefügt, wegen des Glaubens oder ohne ihn, in der Familie oder bei der Arbeit, am eigenen Leib erfahren oder ihm gerade noch entronnen, als leidend beweint, verlacht, ausgegrenzt, sogar angebetet. Kummer und Schmerz scheinen unvermeidbar, und die Furcht davor prägt unser Leben, sie drückt uns nieder oder provoziert Vermeidungsreflexe. Leid wird real und individuell erlebt, wirft jedes menschliche Wesen auf sein Kreatürliches zurück, folgt subjektiver Wahrheit und persönlichen Maßstäben. Töten Nachrichtenbilder die Empathie? Ist Leid schwerer zu ertragen, wenn man es mit ansehen muss? Wo endet Nächstenliebe, wann ist das Boot voll, wo sind die Samariter für die, die unter die Räuber gefallen sind? Der Umgang mit dem Leid anderer ist Maßstab für unser persönliches und gesellschaftliches Wertesystem.
    Die Staatsoper Hannover lädt ein, sich gemeinsam diesen Fragen zu nähern. Passionsgeschichten und unser Umgang damit werden aus verschiedenen Perspektiven und in verschiedenen Genres thematisiert und zu einem Festival-Wochenende gebündelt: im Opernspielplan mit Tosca und The Greek Passion, als Ballettabend mit Nijinski, im sinfonischen Konzert mit Haydns Sieben letzten Worten des Erlösers am Kreuze.